Eine Zapfsäule mit digitaler Anzeige für Preis, Liter und Gesamtbetrag beim Tanken.

Günstiger tanken: Wann der Umweg die Ersparnis auffrisst

Schon 5 Cent Preisunterschied je Liter ergeben bei 40 Litern nur 2 Euro Ersparnis. Ob sich die günstigere Tankstelle am Wochenende wirklich lohnt, hängt deshalb nicht allein vom angezeigten Literpreis ab: Zusätzliche Kilometer, Kraftstoffverbrauch und Tankmenge müssen mitgerechnet werden.

Die Kostenformel für den Tankstellenvergleich

Die mögliche Bruttoersparnis lässt sich einfach berechnen:

Preisunterschied je Liter × Tankmenge = Bruttoersparnis

Anschließend werden die Kosten der zusätzlichen Fahrt abgezogen:

Bruttoersparnis − Umwegkosten = tatsächlicher Preisvorteil

Für die Umwegkosten braucht es drei Werte: die zusätzlich gefahrene Strecke, den durchschnittlichen Verbrauch des Autos und einen angenommenen Kraftstoffpreis. Dabei zählt die gesamte Zusatzstrecke für Hin- und Rückweg beziehungsweise die Abweichung von der ohnehin geplanten Route.

Ein Beispiel: Ein Auto verbraucht 7 Liter je 100 Kilometer. Für einen zusätzlichen Weg von 10 Kilometern werden rechnerisch 0,7 Liter benötigt. Bei einem nur zur Veranschaulichung angenommenen Kraftstoffpreis von 1,80 Euro je Liter kostet der Umweg rund 1,26 Euro.

So viel bringen wenige Cent bei 40 Litern

Die Tabelle zeigt ausschließlich den rechnerischen Preisvorteil beim Kauf von 40 Litern. Fahrtkosten sind darin noch nicht berücksichtigt.

Preisunterschied je Liter Ersparnis bei 40 Litern
2 Cent 0,80 Euro
3 Cent 1,20 Euro
5 Cent 2,00 Euro
8 Cent 3,20 Euro
10 Cent 4,00 Euro

Die Zahlen zeigen, warum ein niedrigerer Preis nicht automatisch das günstigere Tanken bedeutet. Kleine Differenzen lohnen sich vor allem, wenn die Tankstelle ohnehin auf der Strecke liegt oder nur einen sehr kurzen Umweg verursacht. Bei kleinen Tankmengen fällt die mögliche Ersparnis zusätzlich geringer aus.

Wann sich die zusätzliche Fahrt noch rechnet

Angenommen, 40 Liter sind an einer anderen Tankstelle 5 Cent je Liter günstiger. Die Bruttoersparnis beträgt 2 Euro. Verbraucht das Auto 7 Liter je 100 Kilometer und werden 1,80 Euro je Liter als Rechenwert angesetzt, ergeben sich folgende Beispiele:

  • 4 zusätzliche Kilometer benötigen rechnerisch 0,28 Liter und kosten rund 0,50 Euro. Übrig bleiben etwa 1,50 Euro.
  • 10 zusätzliche Kilometer benötigen 0,7 Liter und kosten rund 1,26 Euro. Übrig bleiben etwa 0,74 Euro.
  • 16 zusätzliche Kilometer benötigen 1,12 Liter und kosten rund 2,02 Euro. Der Preisvorteil ist damit praktisch aufgebraucht.

Diese Beispiele sind keine aktuellen Durchschnittswerte. Das Ergebnis verändert sich mit Fahrzeug, Verkehr, Fahrweise, Tankmenge und dem tatsächlich gezahlten Kraftstoffpreis. Auch Zeitaufwand und Verschleiß können gegen einen längeren Umweg sprechen, selbst wenn die reine Kraftstoffrechnung noch leicht positiv ausfällt.

Günstiger tanken: Wann der Umweg die Ersparnis auffrisst

Die persönliche Umweggrenze berechnen

Die Strecke bis zum rechnerischen Gleichstand ergibt sich aus:

Bruttoersparnis ÷ Kosten je Kilometer = maximale Zusatzstrecke

Die Kraftstoffkosten je Kilometer berechnen sich aus dem Verbrauch je 100 Kilometer, geteilt durch 100 und multipliziert mit dem angenommenen Literpreis. Wer konservativ rechnen möchte, setzt zusätzlich einen kleinen Puffer für Stop-and-go, Kaltstart oder Parkplatzsuche an.

Preisdaten sinnvoll nutzen, ohne jedem Tiefstpreis nachzufahren

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt erfasst Preisänderungen an öffentlichen Tankstellen. Sie stellt diese Daten zugelassenen Verbraucherinformationsdiensten zur Verfügung. Autofahrer können damit Preise in der Umgebung vergleichen, sollten aber Strecke und Tankmenge gleichzeitig betrachten.

Für die Entscheidung helfen vier kurze Prüfungen:

  • Liegt die Tankstelle auf einer ohnehin geplanten Route?
  • Wie viele Kilometer kommen insgesamt hinzu?
  • Wie viel Kraftstoff wird tatsächlich getankt?
  • Bleibt nach Abzug der Fahrtkosten ein nennenswerter Vorteil?

Preisänderungen können kurzfristig erfolgen. Ein angezeigter Preis ist daher eine Entscheidungshilfe, aber keine Garantie dafür, dass derselbe Preis bei der Ankunft noch gilt.

Reifendruck und Fahrweise beeinflussen die Gesamtrechnung

Neben dem Tankstellenpreis wirken alltägliche Faktoren auf den Kraftstoffverbrauch. Der Reifendruck sollte nach den Angaben des Fahrzeugherstellers kontrolliert werden, besonders vor längeren Fahrten oder bei höherer Beladung. Zu niedriger Druck kann den Rollwiderstand erhöhen.

Unnötige Last im Kofferraum sollte entfernt werden, wenn sie dauerhaft mitgeführt wird. Vorausschauendes Fahren, gleichmäßiges Tempo und ausreichend Abstand helfen, häufiges Beschleunigen und starkes Bremsen zu vermeiden. Auch mehrere Erledigungen auf einer Strecke zu verbinden, ist häufig sinnvoller als eine eigene Fahrt nur zum Tanken.

Diese Maßnahmen liefern keine feste Spargarantie. Ihr Nutzen hängt von Fahrzeug, Strecke, Wetter und Verkehr ab. Die verlässlichste Wochenendstrategie bleibt deshalb eine nüchterne Rechnung: Literpreis vergleichen, benötigte Tankmenge einsetzen und den vollständigen Umweg abziehen.

Quelle: Bundeskartellamt

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