Ein klassischer Röhrenfernseher in einem Wohnzimmer mit einer eingeschalteten Tischlampe daneben.

25. August 1967: Wie Farbfernsehen den Alltag veränderte

Von der Redaktion Monalita.de
Stand: 25. August 2026

Am 25. August 1967 gab Vizekanzler Willy Brandt auf der Großen Deutschen Funk-Ausstellung in West-Berlin symbolisch das Farbfernsehen in der Bundesrepublik frei. Für die meisten Haushalte wurde der Bildschirm damit jedoch nicht sofort bunt: Farbgeräte waren teuer, farbige Sendungen zunächst selten und funktionierende Schwarz-Weiß-Fernseher weiterhin brauchbar.

Die eigentliche Veränderung vollzog sich deshalb über Jahre. Neue Technik traf auf steigenden Wohlstand, geschickte Werbung und ein Fernsehprogramm, das Farbe zunehmend als Gestaltungsmittel nutzte. So wurde aus einer Messevorführung allmählich ein Wandel des Konsums und des gemeinsamen Familienalltags.

Willy Brandts Knopfdruck war vor allem ein öffentliches Signal

Der offizielle Auftakt fand bei der 25. Großen Deutschen Funk-Ausstellung statt, dem Vorläufer der heutigen Internationalen Funkausstellung. West-Berlin bot dafür eine politisch und medial aufgeladene Bühne. Willy Brandt betätigte einen großen Schalter, und das bis dahin schwarz-weiße Fernsehbild erschien in Farbe.

Die häufig erzählte Randnotiz, das Bild sei bereits einen Augenblick vor Brandts Knopfdruck farbig geworden, machte aus dem Beginn eine besonders fernsehtaugliche Geschichte. Technisch hing die Umstellung ohnehin nicht von diesem einzelnen Schalter ab. Der Akt inszenierte vielmehr einen bereits vorbereiteten Sendestart für Kameras und Publikum.

Entscheidend war die Botschaft: Die Bundesrepublik wollte sich als moderne Industrie- und Konsumgesellschaft zeigen. Rundfunkanstalten, Gerätehersteller und Handel konnten denselben Moment nutzen, um eine neue Entwicklungsstufe des Fernsehens sichtbar zu machen. Der bestätigte Termin und Brandts symbolische Rolle sind im Überblick zur Geschichte des Farbfernsehens dokumentiert.

PAL brachte Farbe in ein bestehendes Fernsehsystem

Die Bundesrepublik führte das Farbfernsehen mit dem PAL-Verfahren ein. Die Abkürzung steht für Phase Alternating Line. Das maßgeblich mit dem Fernsehtechniker Walter Bruch verbundene System wechselte bestimmte Farbinformationen von Zeile zu Zeile, um störende Farbtonfehler bei der Übertragung auszugleichen.

Für den Alltag wichtiger als das technische Detail war die Rückwärtskompatibilität. Ein Schwarz-Weiß-Gerät konnte eine in PAL ausgestrahlte Sendung weiterhin als Schwarz-Weiß-Bild wiedergeben. Niemand musste allein wegen des neuen Sendesignals sofort einen neuen Fernseher kaufen.

25. August 1967: Wie Farbfernsehen den Alltag veränderte

Diese Kompatibilität machte einen schrittweisen Übergang möglich. Sender konnten einzelne Produktionen in Farbe ausstrahlen, während ein großer Teil des Publikums sie noch ohne Farbe sah. Zugleich mussten Studios, Übertragungswagen, Kameras, Beleuchtung und Schnitttechnik nach und nach umgerüstet werden. Farbfernsehen war daher nicht nur ein neues Empfangsgerät, sondern eine neue Produktionskette.

Hohe Preise bremsten die Verbreitung der Farbgeräte

Die ersten Farbfernseher waren deutlich teurer als etablierte Schwarz-Weiß-Modelle. Für viele Haushalte gehörten sie zunächst in dieselbe Kategorie wie andere größere Anschaffungen: Der Kauf musste geplant werden und konkurrierte mit Möbeln, Auto, Urlaub oder Haushaltsgeräten.

Ein funktionierender Schwarz-Weiß-Fernseher verlor durch den Sendestart außerdem nicht seinen praktischen Nutzen. Familien warteten deshalb häufig auf sinkende Preise, eine größere Modellauswahl oder einen passenden Anlass für den Austausch. Das Nebeneinander beider Gerätetypen prägte den Markt noch lange nach 1967.

Auch das begrenzte Farbprogramm dämpfte den unmittelbaren Kaufanreiz. Nicht alle Sendungen lagen in Farbe vor, und ältere Filme, Wiederholungen oder einzelne Studioproduktionen blieben schwarz-weiß. Erst mit wachsender Produktion wurde der Mehrwert regelmäßig sichtbar.

In den 1970er-Jahren verstärkten größere Sport- und Unterhaltungssendungen den Wunsch nach einem Farbgerät. Ereignisse wie die Olympischen Sommerspiele 1972 und die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 boten Bilder, bei denen Trikots, Flaggen, Spielfelder und Schauplätze einen unmittelbar erkennbaren Unterschied machten. Gleichzeitig drückten größere Stückzahlen die Preise.

Farbe veränderte Werbung, Unterhaltung und das Wohnzimmer

Fernsehen war schon vor 1967 ein gemeinschaftliches Medium. Oft stand nur ein Gerät im Haushalt, meist im Wohnzimmer, und das Programm strukturierte den Abend. Farbe löste diese Gewohnheit nicht ab, verlieh ihr aber einen neuen materiellen Mittelpunkt: Das moderne Empfangsgerät wurde zum sichtbaren Zeichen von Kaufkraft und technischer Teilhabe.

Für die Programmgestaltung eröffnete Farbe neue Möglichkeiten. Bühnenbilder, Kostüme, Nachrichtengrafiken, Naturaufnahmen und Sportübertragungen konnten gezielt auf ihre Farbwirkung hin geplant werden. Produzenten mussten zugleich lernen, dass Farbkombinationen, Beleuchtung und Materialien auf dem Bildschirm anders wirkten als im Studio.

25. August 1967: Wie Farbfernsehen den Alltag veränderte

Auch die Werbung gewann ein zusätzliches Ausdrucksmittel. Verpackungen, Kleidung, Lebensmittel und Automobile ließen sich näher an ihrer gewünschten Konsumwirkung präsentieren. Farbe transportierte nicht nur Information, sondern konnte Frische, Modernität oder Exklusivität vermitteln. Das neue Fernsehen und die wachsende Konsumkultur der Bundesrepublik verstärkten sich damit gegenseitig.

Der Wandel schuf allerdings auch soziale Unterschiede. Wer früh ein Farbgerät besaß, konnte Gäste oder Nachbarn zu besonderen Sendungen einladen. Andere Haushalte erlebten dasselbe Programm weiterhin in Graustufen. Gemeinsames Fernsehen verband Menschen, machte aber zugleich unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten sichtbar.

Der Übergang in drei Etappen

  • 25. August 1967: Offizieller Start des Farbfernsehens in der Bundesrepublik bei der Funkausstellung in West-Berlin.
  • 3. Oktober 1969: Die DDR beginnt mit dem zweiten Programm des Deutschen Fernsehfunks ihre regulären Farbsendungen.
  • 1970er-Jahre: Mehr Farbproduktionen, sinkende Gerätepreise und große Fernsehereignisse beschleunigen die Verbreitung.

Die DDR startete später und setzte auf SECAM

In der DDR begann das Farbfernsehen am 3. Oktober 1969, also gut zwei Jahre nach dem westdeutschen Start. Es wurde zusammen mit dem zweiten Programm des Deutschen Fernsehfunks eingeführt. Anders als die Bundesrepublik verwendete die DDR das französisch geprägte SECAM-System.

Die unterschiedlichen Standards spiegelten technische und wirtschaftspolitische Bindungen wider. PAL- und SECAM-Signale waren für die Farbdarstellung nicht ohne Weiteres austauschbar. Wer Programme von der jeweils anderen Seite der innerdeutschen Grenze farbig sehen wollte, benötigte geeignete Mehrnormtechnik oder technische Anpassungen. Eine Darstellung in Schwarz-Weiß war je nach Empfangssituation weiterhin möglich.

Auch in der DDR bedeutete der offizielle Start keine flächendeckende Umstellung über Nacht. Farbgeräte waren kostspielig und nicht für jeden Haushalt sofort verfügbar. Schwarz-Weiß-Fernseher blieben daher auf beiden Seiten der Grenze über Jahre Teil des Alltags.

Gerade dieser Vergleich zeigt die historische Bedeutung des Jahres 1967. Der neue Standard war kein plötzlicher Austausch aller Geräte, sondern der Beginn einer langen Übergangsphase. Technik, Programmproduktion, Handel, Werbung und private Kaufentscheidungen mussten ineinandergreifen, bevor Farbe vom öffentlich inszenierten Zukunftsversprechen zur alltäglichen Sehgewohnheit wurde.

Quelle: Wikipedia

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